Regenpoesie

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke, Aus einem April, Das Buch der Bilder, 1. Buch, Teil 1, Quelle)

 

Rain | RegensucherinQuelle: Photo by Geetanjal Khanna on Unsplash

 

2 Gedanken zu „Aus einem April“

  1. Aaah du hast es getan – beim Lesen gerade auf deinem anderen Blog, dachte ich noch, dass dieses Rilkegedicht doch „eigentlich“ etwas für die Regensucherin-Seite ist :)
    herzliche Grüße
    Ulli

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