Regenpoesie

Des Narren Regenlied

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

Graugespinstig hält ein Nebel
Alles Sein in Haft,
Weher Mut weint in die Weiten,
Krank ist jede Kraft.

Die Prinzessin sitzt im Turme;
Ihre Harfe klingt,
Und ich hör, wie ihre Seele
Müde Sehnsucht singt.

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

(Otto Julius Bierbaum, Des Narren Regenlied, aus: Irrgarten der Liebe, 1901, Online-Quelle)

 

Stadt im Regen | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

20 Gedanken zu „Des Narren Regenlied“

    1. Eben! (Ich finds ja trotzdem schön.)
      Du bist gerne aufgefordert, Regencontent (müssen ja nicht nur Gedichte sein) mit zu sammeln!
      Es muss doch noch mehr Regenliebende geben, die NICHT trübsinnig sind. ;-)
      Liebe Grüße
      Christiane

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    1. Ich auch, siehe Blog(unter)titel.
      Gerade in Gedichten scheint es ziemlich klassisch zu sein, Sonne mit guter Laune und Regen oder Nebel mit Trauer und Trübsal zu assoziieren. Ich vermute, dass das in modernen Gedichten nicht mehr so ist, aber die darf ich hier ja nicht ohne Erlaubnis zitieren (Urheberrechtsgesetz), ich bin da allerdings auch tatsächlich nicht so bewandert.
      Mein Aufruf also auch an dich: Solltest du Lieblingsregen- oder -nebelgedichte haben, die man zitieren darf, gerne her damit! (Urheberrecht: Der Verfasser muss länger als 70 Jahre tot sein. Soll heißen: Rilke geht, Hesse (noch) nicht.)
      Liebe Grüße
      Christiane

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  1. Das ist ein Weh-Ruf aus alten Zeiten. Heute wird über die Sonne gejammert und über den Regen sich gefreut (wg. Klimawandel, Grundwasser, Garten; etwa in der Reihenfloge) Wir Regenfreunde sind voll im Trend. Vielleicht solltest du eine Anthologie herausgeben: „Trost an heißen Sommertagen“ ;-)

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  2. mhhhh, diese verflixten 70 Jahre! Ich könnte ja einen Link zu meiner Seite setzen, da ist es sowohl regnerisch als auch nebulös und das sieht außer meinen Followern auch niemand, aber irgendwie verdirbt es den Spaß, wenn nicht alle sich erfreuen dürfen.
    Aber das Gedicht gefällt mir ausnehmend gut, liebe Christiane -:)))

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    1. Deswegen habe ich es extra noch mal wiederholt, liebe Karin. Manche Blogger scheren sich nicht drum, ich machs halt.
      Freut mich, wenn/dass dir das Gedicht gefällt!
      Liebe Grüße
      Christiane 😉

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    1. Hundertpro. Die Gleichsetzung ist nur doof. Dass man sich auch „mal“ so fühlt, ist klar, und auch, dass einem ab und an der geliebte Regen kräftig zum Hals raushängt.
      Liebe Grüße, schön, dass du hier bist 🙂
      Christiane

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  3. Sich wohlfühlen im Regen und geborgen, zu anderen Dingen kommen, als bei Sonnenschein … und dann der Wandel, wenn sich die Nebel lichten… ein wunderschönes Gedicht.

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    1. Nicht dass ich dir nicht recht geben würde, ich selbst empfinde Regen fast immer so – aber wo liest du das aus diesem Gedicht?
      Willkommen auf meinem Blog!
      Liebe Grüße, schönen Sonntag dir
      Christiane 😁😺👍

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