Regenpoesie

Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen

Ein lechzend Gewitter durch den Nachmittag strich
Und krepierend hinter die Berge hinschlich.
Als lagen Drachen im Liebeskampf,
Umbrüllten sich Wolken mit dumpfem Gestampf.
Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen,
Sitzt grell der Tod in ihrem Lachen.
Jetzt atmet das Gras wieder hell und klar;
Kühl steht die Welt an alter Stell’
Und weiß kaum noch, daß sie voll Durstgefühl war.

(Max Dauthendey, Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 262)

 

Quelle: Pixabay

 

Stay tuned! Morgen geht es weiter …  😉

 

Regenpoesie

Der Regen rinnt schon tausend Jahr

Der Regen rinnt schon tausend Jahr,
Die Häuser sind voll Wasserspinnen,
Seekrebse nisten mir im Haar
Und Austern auf des Domes Zinnen.

Der Pfaff hier wurde eine Qualle,
Seepferdchen meine Nachbarin.
Der blonde Seestern streckt mir alle
Fünfhundert Fühler zärtlich hin.

Es ist so dunkel, kalt und feucht.
Das Wasser hat uns schon begraben.
Gib deinen warmen Mund – mich deucht,
Nichts bleibt uns als uns lieb zu haben.

(Klabund, Regen (1. Der Regen rinnt schon tausend Jahr), aus: Die Harfenjule, 1927, Online-Quelle)

 

Seestern | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

 

Regenpoesie

Ein Regentag – mutigerleben.de

Bild und Text mit freundlicher Erlaubnis von Judith von „Mutiger leben“. Und danke an Katharina, die der Meinung war, das sei doch ein Gedicht für die Regensucherin. Stimmt! 🙂

www.mutigerleben.de

|Werbung wegen Namensnennung, unbezahlt|

Ein Gedicht zum Gedichte-Dienstag von https://kathakritzelt.com/
https://stachelbeermond.com/
https://wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com
https://wkastens.wordpress.com/
https://findevogelblog.wordpress.com/ und die Wortverzauberte
schreiben ebenfalls mit.

Regen
tropft
Spuren
in den Tag

stundenlang
graugestreiftes
Tropf Tropf Tropf

Vögel
zwitschern
unbeirrbar

ein Regenlied

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Wie lautet Dein Regentagsgedicht?

Foto: © Erwin Grundler, Überlingen

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Regenpoesie

Das Paradies ist ein Garten — Stachelbeermond

Das Paradies ist ein Garten.
Der Regen dort ist freundlich.
Verbünde dich mit ihm: Streichle alte Eichen.
Erweiche die Erde.
Sei Wolkentänzerin.
Verwandle dich im Sonnenschein.
Komm wieder.
Das Paradies ist ein Garten.
Der Regen dort ist freundlich.

Der Dienstag dichtet! Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung […]

über Das Paradies ist ein Garten — Stachelbeermond

Bild und Text mit freundlicher Erlaubnis von Frau Stachelbeermond: Sagt selbst, ist das nicht zauberhafte Regenpoesie?

 

Regenpoesie

Des Narren Regenlied

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

Graugespinstig hält ein Nebel
Alles Sein in Haft,
Weher Mut weint in die Weiten,
Krank ist jede Kraft.

Die Prinzessin sitzt im Turme;
Ihre Harfe klingt,
Und ich hör, wie ihre Seele
Müde Sehnsucht singt.

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

(Otto Julius Bierbaum, Des Narren Regenlied, aus: Irrgarten der Liebe, 1901, Online-Quelle)

 

Stadt im Regen | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Landregen

Hilf Gott, wie ist die Welt so naß!
Regen, Regen, Regen!
Schon drei Tag ohn’ Unterlaß
Schwimmt’s auf allen Wegen.
Um die Hügel spinnt’s,
Von den Dächern rinnt’s,
Und die Leute blau gefroren,
Wie mit dem Regenschirm geboren.
Nebel liegt auf See und Land,
Wie ein graues Packtuch ausgespannt.
Deutsche Natur, dran erkenn’ ich dich,
Wie die Hausfrau sparsam und bürgerlich:
Diese Wälder und laubigen Höh’n
Wären für alle Tage zu schön,
Deckst sie mit grauem Segeltuche,
Sparst sie für seltene Sonntagsbesuche,
Und die Berge, so fern und fahl,
Steckst du ins Wolkenfutteral.

Drunten im lieben, im goldenen Süd
Wird die Sonne zu scheinen nicht müd,
Scheint sich selber zu Lust und Ehr’,
Tut nicht, als ob’s was Besonderes wär’.
Dort, ja dort!
Hier aber plätschert es fort.
Nach dem Wahlspruch biederer Bürgersleute:
„Wie wir’s gestern getrieben, so treiben wir’s heute“,
Plätschert’s aus purer Gewohnheit fort.
Güsse folgen auf Güsse,
Nordische Sommergenüsse.
Und das Licht der Laternen, das qualmerstickt
Mit hundert Augen aus Pfützen blickt,
Die Wiesen Moräste, die Straßen Leim,
Die ganze Welt wird ein Niflheim.

(Isolde Kurz (Wikipedia-Artikel), Landregen, aus: Neue Gedichte, Cotta, Stuttgart 1905. Online-Quelle)

 

Landregen | RegensucherinQuelle: Photo by Anna King on Unsplash

 

Die Entdeckung dieses Gedichtes (nicht der Dichterin) verdanke ich der wertgeschätzten Frau Wildgans. Vielen Dank!

 

Regenpoesie

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke, Aus einem April, Das Buch der Bilder, 1. Buch, Teil 1, Quelle)

 

Rain | RegensucherinQuelle: Photo by Geetanjal Khanna on Unsplash

 

Regenpoesie

Die Tage lassen keine Spur

O Regen sag, Du kommst so hoch daher,
Ist droben auch der Tag spurlos und leer?

Du fällst zum Fluß und schwimmst zum Meer,
Glaubst, Du enteilst dem Leid und suchst Genuß?

O wüßten alle nur, was doch ein jeder wissen muß:
Die Tage lassen keine Spur, so wenig wie der Regen auf dem Fluß, –
Die Liebe nur.

(Max Dauthendey, Die Tage lassen keine Spur, aus: Weltspuk, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 378/379)

 

Dnjepr | RegensucherinQuelle: Photo by Yurii Khimanin on Unsplash

 

Regenpoesie

Regen

Der Regen geht als eine alte Frau
mit stiller Trauer durch das Land.
Ihr Haar ist feucht, ihr Mantel grau,
und manchmal hebt sie ihre Hand

und klopft verzagt an Fensterscheiben,
wo die Gardinen heimlich flüstern.
Das Mädchen muß im Hause bleiben
und ist doch grade heut so lebenslüstern!

Da packt der Wind die Alte bei den Haaren,
und ihre Tränen werden wilde Kleckse.
Verwegen läßt sie ihre Röcke fahren
und tanzt gespensterhaft wie eine Hexe!

(Wolfgang Borchert, Regen, aus: Laterne, Nacht und Sterne. Gedichte um Hamburg, 1946, Online-Quelle)

 

Regenspringen | RegensucherinQuelle: Photo by Zach Reiner on Unsplash