Regenmusik

Spätsommerregen

Ich trinke einen Kaffee im Schatten meiner Jalousie
Ich geh manchmal spazier’n von der Küche in den Flur
Und ich genieße die Natur im Innenhof
Und ich treff mich gern mit Freunden in Chatverläufen

(aus: AnnenMayKantereit, Spätsommerregen, „12“)

 

Ich mag die Jungs, vor allem natürlich die Stimme von Henning May. Das Lied ist viel weniger … tendenziös … als das Zitat es erscheinen lässt – seht euch das Schmunzeln von Henning dazu an! Und ich empfehle ausdrücklich die komplette „Lyrics“-Version, die ich darunter verlinkt habe, weil ich die Idee so super fand, die Jungs vor eine graue Wand zu setzen, ihnen ihre eigene Musik vorzuspielen und zu sehen, was für Gesichter sie machen.

Tja, die Pandemie-Einschränkungen machen erfinderisch, was Videos angeht, und die Platte ist aus dem Jahr 2020.

Ich wollte mal wieder bisschen Musik hier. Und dann ist es mir egal, dass es bis zum Spätsommer noch ein Stückchen hin ist.

 

 

 

Regenpoesie

regengefährte

trügerisch ist die ruhe. der erste hauch, noch sanft streichelnd. der wind entdeckt die lust. plötzlich blähen sich strickjacken wie segel. haare zerzauseln. mit wasserdampf gesättigte wolken. es blühen wildwachsende regengebilde. ein tropfen, dann überreiches naß. es tropft und perlt, von nasenspitzen, blütenblättern. ein stiller wolkenbruch zerlegt, zerstückelt das landschaftsbraun. ein zerrbild. schwalben streifen dachfirste. der horizont ist gefärbt, vom widerschein des meeres. ein wasserfall stürzt vom rande der welt. nie still stehende schöpfung. der regen ist mein gefährte. jahrhundertelang.

Autorin: Sabine von wortgeflumselkritzelkram, die übrigens gerade ihren ersten Gedichtband herausgebracht hat. Hier geht es zum Original; dass ich in dieser Form teile, wurde mit der Autorin abgesprochen.
Liebe Sabine, vielen Dank für diesen zauberhaften Regentext extra für mich!

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Die Regenfrauen

Und weil es so schön ist, kommt hier gleich noch eins von Ola hinterher … danke! 😀

Als die Wolken dräuen sich über unseren Köpfen ballen eilen unsere Schritte schneller durch das raschelnde Laub Unter dem Holzdach des zwergenhaften Unterstands harren wir still aus und lauschen dem Regen Er trommelt auf das Dach verirrt sich kurz im Blattgewirr tropft und hüpft und glänzt und lockt die Regenfrauen Mit dem Versprechen nasser Lust und feuchter Tropfenspiele auf ihre […]

Die Regenfrauen
Regenpoesie

Tagschatten — Stachelbeermond

Mit großer Freude nutze ich wieder mal die Gelegenheit, eines der wunderschönen Gedichte von Frau Stachelbeermond auf die Seite der Regensucherin zu entführen.
Herzlichen Dank für die Erlaubnis, Tanja!

 

 

 

der Tag wirft schwere Schatten
lange Züge voller Fremder
Regen überschwemmt die Stadt
Zeit zum Höhlenbauen
spiel mit mir das Schattenspiel
was ist Wirklichkeit
was nur Lichtschein an der Wand?

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens, Findevogel, die Nachtwandlerin, Lindasxstories, Myriade, Gedankenweberei, MynaKaltschnee, Wortverdreher und Lebensbetrunken, der BerlinAutor, Vienna BliaBlaBlub, Heidimarias kleine Welt und Traumspruch […]

Tagschatten — Stachelbeermond

 

Regenpoesie

Trübes Wetter

Es ist ein stiller Regentag,
So weich, so ernst, und doch so klar,
Wo durch den Dämmer brechen mag
Die Sonne weiß und sonderbar.

Ein wunderliches Zwielicht spielt
Beschaulich über Berg und Tal;
Natur, halb warm und halb verkühlt,
Sie lächelt noch und weint zumal.

Die Hoffnung, das Verlorensein
Sind gleicher Stärke in mir wach;
Die Lebenslust, die Todespein,
Sie ziehn auf meinem Herzen Schach.

Ich aber, mein bewußtes Ich,
Beschau’ das Spiel in stiller Ruh,
Und meine Seele rüstet sich
Zum Kampfe mit dem Schicksal zu.

(Gottfried Keller, Trübes Wetter, aus: Gesammelte Gedichte, 3. Auflage 1888, 1. Teil, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Regen in der Dämmerung

Der wandernde Wind auf den Wegen
War angefüllt mit süßem Laut,
Der dämmernde rieselnde Regen
War mit Verlangen feucht betaut.

Das rinnende rauschende Wasser
Berauschte verwirrend die Stimmen
Der Träume, die blasser und blasser
Im schwebenden Nebel verschwimmen.

Der Wind in den wehenden Weiden,
Am Wasser der wandernde Wind
Berauschte die sehnenden Leiden,
Die in der Dämmerung sind.

Der Weg im dämmernden Wehen,
Er führte zu keinem Ziel,
Doch war er gut zu gehen
Im Regen, der rieselnd fiel.

(Hugo von Hofmannsthal, Regen in der Dämmerung, aus: Die Gedichte 1891–1898, Online-Quelle)

 

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen

Viel Wolken halten den Abend umfangen,
Viel dunkle Falten vom Himmel hangen.
Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen,
Und Stille macht Halt, ernst, ohne Bewegen.

Der Abend will sich gern niederlegen,
Die Berge reichen den Rücken hin,
Und jeder Stein will dem Dunkel sich bücken
Dem Abend und seinem geheimen Sinn.

(Max Dauthendey, Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 299/300)

 

Quelle: Pixabay

 

Ende der Miniserie. Schön, dass ihr dabei wart.

 

Regenpoesie

Und Regen fällt zu Regenguß

Ein Regen ernst und würdevoll
Wirft Wasser in den vollen Fluß,
Als ob das Flußbett bersten soll;
Die Welt zu Wasser werden muß.
Und immer neues Wasser läuft,
Und Regen fällt zu Regenguß,
Und Regen sich zu Regen häuft
Wie Sehnsucht, die mit jedem Fuß
Auf neuer Sehnsucht fußen muß.

(Max Dauthendey, Und Regen fällt zu Regenguß, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 262)

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Und die Sehnsucht, die rasende Schöne

Zu der Musik des Regens, da draußen in der Nacht,
Da haben sich meine Gedanken als Tänzer aufgemacht.
Die Nacht ist der wiegende Boden, drauf gleiten sie kreisend fort,
Und Tänzerin den Gedanken ist manch ein Liebeswort,
Die Regenmusik singt sich Töne auf Dach und Fensterbank,
Und die Sehnsucht, die rasende Schöne, tanzt meine Gedanken krank.

(Max Dauthendey, Und die Sehnsucht, die rasende Schöne, aus: Der weiße Schlaf, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 424)

 

Quelle: Pixabay