Regenpoesie

Regen

Der Regen geht als eine alte Frau
mit stiller Trauer durch das Land.
Ihr Haar ist feucht, ihr Mantel grau,
und manchmal hebt sie ihre Hand

und klopft verzagt an Fensterscheiben,
wo die Gardinen heimlich flüstern.
Das Mädchen muß im Hause bleiben
und ist doch grade heut so lebenslüstern!

Da packt der Wind die Alte bei den Haaren,
und ihre Tränen werden wilde Kleckse.
Verwegen läßt sie ihre Röcke fahren
und tanzt gespensterhaft wie eine Hexe!

(Wolfgang Borchert, Regen, aus: Laterne, Nacht und Sterne. Gedichte um Hamburg, 1946, Online-Quelle)

 

Regenspringen | RegensucherinQuelle: Photo by Zach Reiner on Unsplash

 

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Regenpoesie

Im Regen

Unterm Holzdach hocken,
Wenn die Wasser rauschen, wenn die Regenfrauen
Murmelnd wandeln durch die nassen Auen,
Triefend wehen ihre Wasserlocken –
Unterm Holzdach ist es gut zu warten,
Einmal wieder wohl
Pfeift der Goldpirol,
Und die Rosen leuchten heiß im Garten.

Hör die Tropfen fallen, hör die Tropfen hallen,
Rings im Kreise singt das Regenlied,
Abwärts geht die Wasserflut mit Schallen,
Die die Erde saugend niederzieht,
Hier im Regenwebstuhl sitzen wir gefangen,
Nässe steht in Fäden steil und schwer,
Nässe flackert wie der Einschuß quer,
Den die Regenweberschifflein schwangen,
Aber müder wehen schon die Strähnen,
Aber ferner wird schon der Gesang,
Wie ein leises Echo nur zu wähnen
Von des talwärts ziehnden Wassers Gang.

Warten noch und lauschen,
Letzte Tropfen fallen, leise durch die Ruhe
Geht schon wieder Takt der Wanderschuhe,
Und die regenschweren Wipfel rauschen,
Unterm Holzdach warten wir noch gerne,
Dampfend liegt das Tal –
Da, mit einemmal
Leuchtet hoch am Passe blau die Ferne.

(Hans Leifhelm (Wikipedia), Im Regen, aus: Gesänge von der Erde, in: Sämtliche Gedichte, Hrsg. Norbert Langer, Otto Müller Verlag, Salzburg, 1955)

 

Schmetterling | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Regentage

Dunkle Tage, wolkenübersponnen,
Jeder regenschwerer noch und trüber
Ziehen theilnahmslos an mir vorüber
Schweigend, wie verhüllte, blasse Nonnen.

Und das Herz wird enger da und stille
Kaum will sich ein leiser Wunsch noch regen,
Langsam stirbt im steten, steten Regen
Jeder frohbewegte Schaffenswille.

Und des Nachts kann sich kein Bild mehr spinnen
In den sonst so farbenbunten Träumen,
Denn ich horche nur von allen Bäumen
Auf das monotone Regenrinnen …

(Stefan Zweig, Regentage, aus: Silberne Saiten, 1901, Online-Quelle)

 

Tropfen | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Mit großem Dank an Elli, bei der ich dieses wunderbare Gedicht entdeckt und beschlossen habe, die Regensucherin aus ihrem Winterschlaf zu holen …

Nein, auch ich sehe den Regen viel positiver als Stefan Zweig, besonders, nachdem wir diesen fantastischen Sommer hatten, der nur leider viel zu trocken war. Ich freue mich über jede Nacht, in der der Regen an mein Fenster klopft und der Fellträger nicht draußen ist und nass wird (und ich ihn später abtrocknen muss, oder möchtet ihr eine nasse Katze sonstwo haben? Eben.) …

 

 

Regenmusik

Regenballade

Ich kam von meinem Wege ab,
weil es so nebeldunstig war.
Der Wald war feuchtkalt wie ein Grab,
und Finger griffen in mein Haar.

 

Nein, dies wird kein Beitrag der Sparte „Regenpoesie“, dies ist „Regenmusik“. Die zugrunde liegende wunderschöne Ballade („Regenballade“, Autorin: Ina Seidel) fällt unter das Urheberrecht.

1978 veröffentlichte der Rockmusiker Achim Reichel seine LP „Regenballade“, für die er mit Genehmigung der Erben Ina Seidels eine Rockversion schuf. Daher kann man auf einschlägigen Seiten den Text gedruckt finden (zum Beispiel hier bei songtexte.com). Es gibt ja Leute, die erst mal lieber lesen als hören (wie mich).

Nun habe ich heute eine Fast-/Irgendwie-Liebesgeschichte über eine Frau und ein Wasserwesen auf dem anderen Blog veröffentlicht, Nöck, Meermann, ich weiß nicht, wie ich ihn nennen soll, abgesehen davon, dass reichlich viel Dazufabuliertes dabei ist. Und dabei wurde mir dann auch noch mal klar, dass der Ich-Erzähler in der Regenballade ziemlich sicher auf einen Nöck trifft – und nicht auf eine etwas unheimliche Personifizierung des Schnatermanns, den er durchquert.

Ich bin nicht sicher, wann ich die Regenballade mit Achim Reichel zum ersten Mal gehört habe, aber die Stimmung hatte es mir sofort angetan, die ging/geht mir unter die Haut und macht, dass ich mich umdrehe, wenn ich allein im Nebel unterwegs bin … Wer also regenverhangene, gespenstische Balladen mag, der ist hier bestens aufgehoben.

 

 

Regenmusik

Desert Rose | Regentraum

I dream of rain | I dream of gardens in the desert sand | I wake in pain | I dream of love as time runs through my hand
I dream of fire | Those dreams are tied to a horse that will never tire | And in the flames | Her shadows play in the shape of a man’s desire

(Ich träume von Regen | ich träume von Gärten im Wüstensand | ich erwache mit Schmerzen | ich träume von Liebe, während die Zeit mir durch die Finger rinnt
Ich träume von Feuer | diese Träume sind mit einem Pferd verbunden, das niemals müde wird | und in den Flammen | bewegen sich ihre Schatten spielerisch in der Form des Verlangens eines Mannes)

(aus: Sting, Desert Rose, Originaltext hier, deutsche Übersetzung von mir)

Okay, ich kann jetzt vielleicht nicht so wirklich behaupten, dass das ein Regenlied wäre, aber wenn ich daran denke, habe ich immer die erste Zeile im Kopf und diese unglaubliche Stimme …

Was bei diesem Lied auffällt, ist Stings Zusammenarbeit mit einem arabischen Musiker, dem „Prince of Raï“, dem Algerier Cheb Mami. Und natürlich frage ich mich: was singt der denn da, ist das einfach Stings Text auf Arabisch?
Ist es nicht, Sting wusste am Anfang nicht mal, um was es ging (hier nachzulesen, fast ganz oben).
Ich habe auf der Seite von Songfacts in den Kommentaren (man kann nicht besser verlinken, scrollt also bitte nach unten) von Samiel aus Beirut einen sehr ausführlichen Kommentar/Übersetzung gefunden, aus dem ich zitiere: „what a long time its been (…) ive been looking/searching for my love and im searching for my love (…) my whole life is for you/with you (…) there is nobody else but you (…) oh just you you love just you“ (Was für eine lange Zeit das war … ich habe (nach) meine/r Liebe gesucht/Ausschau gehalten und ich suche meine Liebe … mein ganzes Leben ist für dich/bei dir … es gibt keine andere außer dir … oh, nur du, du Liebe, nur du (meine Übersetzung)).

Das ist in dieser Form nicht meins, in keiner Sprache, ich finde dieses Ausschließliche höchst bedenklich, egal wobei. Muss ja auch nicht … aber ich liebe die Musik.

„Harter“ Songfact zum Video am Rand: Dies war das erste Mal (März 2000, das Lied kam 1999 heraus), dass ein zeitgenössisches Lied in einer Autowerbung Verwendung fand (Jaguar S-Type). Der Deal war ein cleverer Schachzug von Stings Manager, und beide Parteien profitierten fett davon. Auch dazu mehr auf der oben genannten Songfacts-Seite. Sting hatte übrigens für 2001 eine Festival-Tour mit arabischen Musikern in den USA geplant, die wenige Tage nach den Anschlägen vom 11. September starten sollte und daraufhin natürlich platzte.

Sollte sich irgendwer an diesem Beitrag von drüben erinnern, hat er nicht unrecht  ;-)

 

 

Regenmusik

Am I right?

Heute ist Welt-AIDS-Tag, und nachdem ich drüben bei mir schon ein Video von Queen gepostet habe, erinnerte mich Frau dergl (die heute auf ihren Blogs eine kleine Aktion dazu macht, Links bei mir drüben) daran, dass ich hier doch noch diese wunderhübsche Musik von Erasure herumliegen hätte, deren Sänger seit über 20 Jahren positiv sei, was doch total gut zum Tag passen würde und so. Wo sie recht hat, hat sie recht (ich wusste das mit dem „positiv“ nicht), und ich mag das Lied wirklich sehr, auch schon echt lange.

Also, hier: Erasure: Am I right? vom Album „Chorus„, 1991 rausgekommen, eine wunderbare Ballade, zu der das Video in Amsterdam (hach!) gedreht wurde. Und ja, auch wenn der Titel es nicht vermuten lässt, es regnet in diesem Lied.   ;-)

 

 

Regenpoesie

Regentrude

Okay, okay, okay, es ist eher eine Sommergeschichte. Aber macht das was? Ich finde sie einfach zauberhaft.

Das Bodenlosz-Archiv

Ich sehe sie nur, wenn es regnet, und auch dann nur aus dem Augenwinkel. Ein grünes Regencape schlüpft durch den Spalt der zufallenden Hoftür. Eine Bewegung lässt mich aufblicken, kurz bevor sie um die Ecke verschwindet. Ich höre ein Gluckern, hebe den Kopf und kann eine Momentaufnahme erhaschen. Meist sehe ich nur die Stelle, an der sie eben war. Sie ist eine Erinnerung, die mir entgleitet.

Ich habe meine Nachbarinnen beobachtet, die mit bunten Sonnentops und schief getretenen Flip Flops durch den Hof laufen. Keine von ihnen kann die Regenfrau sein. Es ist nicht nur die Kleidung und die Figur, es ist ihre Präsenz. Die Sonnenfrauen sind klar umrissen. Sie verschwimmen nicht, sie heben sich ab und sind stabil.

Die Regenfrau tritt leise auf. Sie blubbert und plätschert und perlt. Manchmal glaube ich ein Lachen zu hören. Ein Lachen, das bereits vom Regen verschluckt wurde, sobald ich die Ohren spitze…

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Regenpoesie

Die Wasser der Welt

Der Himmel wurde zum wütenden Bach,
Wildwasser stürzt allen Wegen nach.
Der Regenlärm laut die Stunden schilt,
Sturzwasser aus Wolke und Acker quillt.

Doch von unsern Herzschlägen, den raschen,
Kann nie der Regen die Spuren verwaschen,
Und die Stunden, die sich warm zu uns legen,
Können die Wasser der Welt nicht fortbewegen.

(Max Dauthendey, Die Wasser der Welt, aus: Weltspuk, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 392)

 

Regenfenster | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Nein, nein, SO schlimm regnet es nicht – man muss seit Neuestem ja immer fragen, ob die (nicht vorhandene) Klimakatastrophe etwa wieder zulangt.
Es ist kalt und es regnet … sogar der Fellträger verschwindet hinter der Heizung und groovt sich auf die kalte Jahreszeit ein.

 

Regenpoesie

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen

Hörst du, wie draußen im Regen die Wasser sich necken,
Wie die Regengüsse hinfallen in langen, lauten Strecken
Und überlaufen über die Ränder der Wolkenbecken,
Als soll mit Mann und Maus heut Nacht die Erde ersaufen.
Es kann kaum der Regen vor stürzender Eile noch schnaufen;
Die Regengeister füllen mit ihren Wasserleibern die Traufen.

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen,
Aus dem Regen sie sich ein eigenes Liebeslied macht,
So wie ein Verlassener sein einsames Lachen lacht.

(Max Dauthendey, Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen, aus: Lusamgärtlein. Frühlingslieder aus Franken, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 256)

 

Regen in der Nacht | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Es regnet. Schon einen mehr oder weniger großen Teil der Nacht, soweit wie ich das mitbekommen habe, und ungemütlich frisch ist es auch.

Der Einzige, den das nicht die Bohne stört, ist der Herr Fellträger …

Habt einen guten Tag!