Regenpoesie

Tagschatten — Stachelbeermond

Mit großer Freude nutze ich wieder mal die Gelegenheit, eines der wunderschönen Gedichte von Frau Stachelbeermond auf die Seite der Regensucherin zu entführen.
Herzlichen Dank für die Erlaubnis, Tanja!

 

 

 

der Tag wirft schwere Schatten
lange Züge voller Fremder
Regen überschwemmt die Stadt
Zeit zum Höhlenbauen
spiel mit mir das Schattenspiel
was ist Wirklichkeit
was nur Lichtschein an der Wand?

Der Dienstag dichtet!  Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung veröffentlicht. Auch Wortgeflumselkritzelkram, Mutigerleben, Werner Kastens, Findevogel, die Nachtwandlerin, Lindasxstories, Myriade, Gedankenweberei, MynaKaltschnee, Wortverdreher und Lebensbetrunken, der BerlinAutor, Vienna BliaBlaBlub, Heidimarias kleine Welt und Traumspruch […]

Tagschatten — Stachelbeermond

 

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Regenpoesie

Trübes Wetter

Es ist ein stiller Regentag,
So weich, so ernst, und doch so klar,
Wo durch den Dämmer brechen mag
Die Sonne weiß und sonderbar.

Ein wunderliches Zwielicht spielt
Beschaulich über Berg und Tal;
Natur, halb warm und halb verkühlt,
Sie lächelt noch und weint zumal.

Die Hoffnung, das Verlorensein
Sind gleicher Stärke in mir wach;
Die Lebenslust, die Todespein,
Sie ziehn auf meinem Herzen Schach.

Ich aber, mein bewußtes Ich,
Beschau’ das Spiel in stiller Ruh,
Und meine Seele rüstet sich
Zum Kampfe mit dem Schicksal zu.

(Gottfried Keller, Trübes Wetter, aus: Gesammelte Gedichte, 3. Auflage 1888, 1. Teil, Online-Quelle)

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Regen in der Dämmerung

Der wandernde Wind auf den Wegen
War angefüllt mit süßem Laut,
Der dämmernde rieselnde Regen
War mit Verlangen feucht betaut.

Das rinnende rauschende Wasser
Berauschte verwirrend die Stimmen
Der Träume, die blasser und blasser
Im schwebenden Nebel verschwimmen.

Der Wind in den wehenden Weiden,
Am Wasser der wandernde Wind
Berauschte die sehnenden Leiden,
Die in der Dämmerung sind.

Der Weg im dämmernden Wehen,
Er führte zu keinem Ziel,
Doch war er gut zu gehen
Im Regen, der rieselnd fiel.

(Hugo von Hofmannsthal, Regen in der Dämmerung, aus: Die Gedichte 1891–1898, Online-Quelle)

 

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen

Viel Wolken halten den Abend umfangen,
Viel dunkle Falten vom Himmel hangen.
Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen,
Und Stille macht Halt, ernst, ohne Bewegen.

Der Abend will sich gern niederlegen,
Die Berge reichen den Rücken hin,
Und jeder Stein will dem Dunkel sich bücken
Dem Abend und seinem geheimen Sinn.

(Max Dauthendey, Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 299/300)

 

Quelle: Pixabay

 

Ende der Miniserie. Schön, dass ihr dabei wart.

 

Regenpoesie

Und Regen fällt zu Regenguß

Ein Regen ernst und würdevoll
Wirft Wasser in den vollen Fluß,
Als ob das Flußbett bersten soll;
Die Welt zu Wasser werden muß.
Und immer neues Wasser läuft,
Und Regen fällt zu Regenguß,
Und Regen sich zu Regen häuft
Wie Sehnsucht, die mit jedem Fuß
Auf neuer Sehnsucht fußen muß.

(Max Dauthendey, Und Regen fällt zu Regenguß, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 262)

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Und die Sehnsucht, die rasende Schöne

Zu der Musik des Regens, da draußen in der Nacht,
Da haben sich meine Gedanken als Tänzer aufgemacht.
Die Nacht ist der wiegende Boden, drauf gleiten sie kreisend fort,
Und Tänzerin den Gedanken ist manch ein Liebeswort,
Die Regenmusik singt sich Töne auf Dach und Fensterbank,
Und die Sehnsucht, die rasende Schöne, tanzt meine Gedanken krank.

(Max Dauthendey, Und die Sehnsucht, die rasende Schöne, aus: Der weiße Schlaf, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 424)

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Wolken ohne Flug und Regen

Wolken lähmend draußen stehen,
Wolken durch die Wände gehen;
Heut’ vor Wolken, weltengroßen,
Ist der Himmel nicht zu sehen.
Wolken drücken stumm verdrossen.
Wolken sich zusammenschlossen,
Wolken, die nicht zu bewegen,
Wolken ohne Flug und Regen,
Wolken, die ans Herz grob stoßen.

(Max Dauthendey, Wolken ohne Flug und Regen, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 237)

 

Quelle: Pixabay

 

 

Regenpoesie

Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen

Ein lechzend Gewitter durch den Nachmittag strich
Und krepierend hinter die Berge hinschlich.
Als lagen Drachen im Liebeskampf,
Umbrüllten sich Wolken mit dumpfem Gestampf.
Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen,
Sitzt grell der Tod in ihrem Lachen.
Jetzt atmet das Gras wieder hell und klar;
Kühl steht die Welt an alter Stell’
Und weiß kaum noch, daß sie voll Durstgefühl war.

(Max Dauthendey, Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 262)

 

Quelle: Pixabay

 

Stay tuned! Morgen geht es weiter …  😉

 

Regenpoesie

Der Regen rinnt schon tausend Jahr

Der Regen rinnt schon tausend Jahr,
Die Häuser sind voll Wasserspinnen,
Seekrebse nisten mir im Haar
Und Austern auf des Domes Zinnen.

Der Pfaff hier wurde eine Qualle,
Seepferdchen meine Nachbarin.
Der blonde Seestern streckt mir alle
Fünfhundert Fühler zärtlich hin.

Es ist so dunkel, kalt und feucht.
Das Wasser hat uns schon begraben.
Gib deinen warmen Mund – mich deucht,
Nichts bleibt uns als uns lieb zu haben.

(Klabund, Regen (1. Der Regen rinnt schon tausend Jahr), aus: Die Harfenjule, 1927, Online-Quelle)

 

Seestern | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

 

Regenkram (Sonstiges)

Der Himmel püschert

Ich weiß nicht mehr, wann ich sie kennengelernt habe: Piggeldy & Frederick, (Zeichentrick-) Schweine ihres Zeichens, Brüder noch dazu. Der eine erklärt dem anderen die Welt, und danach gehen sie wieder nach Hause. Vermutlich war es in der „Sendung mit der Maus“, auch so eine Sendung mit Kultstatus.

Was ich aber völlig vergessen hatte (oder vielleicht auch nie wusste), war, dass es  bei Piggeldy & Frederick eine Folge über Regen gibt. Das Schließen dieser Lücke verdanke ich der überaus geschätzten Frau Knobloch, mit deren heiterer Zustimmung ich jetzt die Fans der Regensucherin erfreuen möchte.

 

 

Kostenlos dazu noch ein bisschen Norddeutsch für alle, die sich fragen, was denn „püschern“ („pischen“ geht auch) wohl bedeutet. Bastian Sick hat das (bitte klicken) sehr launig beschrieben, das DWDS (hier klicken) ist da bisschen sachlicher.

Mit Regensegen oder ohne, ich wünsche euch ein gemütliches Wochenende! 😀