Regenpoesie

Das Paradies ist ein Garten — Stachelbeermond

Das Paradies ist ein Garten.
Der Regen dort ist freundlich.
Verbünde dich mit ihm: Streichle alte Eichen.
Erweiche die Erde.
Sei Wolkentänzerin.
Verwandle dich im Sonnenschein.
Komm wieder.
Das Paradies ist ein Garten.
Der Regen dort ist freundlich.

Der Dienstag dichtet! Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung […]

über Das Paradies ist ein Garten — Stachelbeermond

Bild und Text mit freundlicher Erlaubnis von Frau Stachelbeermond: Sagt selbst, ist das nicht zauberhafte Regenpoesie?

 

Regenpoesie

Des Narren Regenlied

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

Graugespinstig hält ein Nebel
Alles Sein in Haft,
Weher Mut weint in die Weiten,
Krank ist jede Kraft.

Die Prinzessin sitzt im Turme;
Ihre Harfe klingt,
Und ich hör, wie ihre Seele
Müde Sehnsucht singt.

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

(Otto Julius Bierbaum, Des Narren Regenlied, aus: Irrgarten der Liebe, 1901, Online-Quelle)

 

Stadt im Regen | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Landregen

Hilf Gott, wie ist die Welt so naß!
Regen, Regen, Regen!
Schon drei Tag ohn’ Unterlaß
Schwimmt’s auf allen Wegen.
Um die Hügel spinnt’s,
Von den Dächern rinnt’s,
Und die Leute blau gefroren,
Wie mit dem Regenschirm geboren.
Nebel liegt auf See und Land,
Wie ein graues Packtuch ausgespannt.
Deutsche Natur, dran erkenn’ ich dich,
Wie die Hausfrau sparsam und bürgerlich:
Diese Wälder und laubigen Höh’n
Wären für alle Tage zu schön,
Deckst sie mit grauem Segeltuche,
Sparst sie für seltene Sonntagsbesuche,
Und die Berge, so fern und fahl,
Steckst du ins Wolkenfutteral.

Drunten im lieben, im goldenen Süd
Wird die Sonne zu scheinen nicht müd,
Scheint sich selber zu Lust und Ehr’,
Tut nicht, als ob’s was Besonderes wär’.
Dort, ja dort!
Hier aber plätschert es fort.
Nach dem Wahlspruch biederer Bürgersleute:
„Wie wir’s gestern getrieben, so treiben wir’s heute“,
Plätschert’s aus purer Gewohnheit fort.
Güsse folgen auf Güsse,
Nordische Sommergenüsse.
Und das Licht der Laternen, das qualmerstickt
Mit hundert Augen aus Pfützen blickt,
Die Wiesen Moräste, die Straßen Leim,
Die ganze Welt wird ein Niflheim.

(Isolde Kurz (Wikipedia-Artikel), Landregen, aus: Neue Gedichte, Cotta, Stuttgart 1905. Online-Quelle)

 

Landregen | RegensucherinQuelle: Photo by Anna King on Unsplash

 

Die Entdeckung dieses Gedichtes (nicht der Dichterin) verdanke ich der wertgeschätzten Frau Wildgans. Vielen Dank!

 

Regenmusik

Hello Sunshine

Had enough of heartbreak and pain
I had a little sweet spot for the rain
For the rain and skies of grey
Hello sunshine, won’t you stay?

 

„Hello Sunshine“ ist wieder eines dieser kleinen, ruhigen und eher melancholischen Lieder, die ich so oft so gern mag. Okay, es feiert den Regen jetzt nicht sooo, aber damit kann ich leben. Und es ist von Bruce Springsteen, für den ich einen „sweet spot“ (ein Faible, wie hübsch) habe. Dies scheint eine Vorauskopplung aus einem neuen Album („Western Stars“) zu sein, das Mitte Juni erscheint. Ich merke mir das wohl mal vor.

 

 

Heute morgen entdeckt bei Bernd, vielen Dank dafür!

 

Regenpoesie

Aus einem April

Wieder duftet der Wald.
Es heben die schwebenden Lerchen
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –
aber nach langen, regnenden Nachmittagen
kommen die goldübersonnten
neueren Stunden,
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten
alle die wunden
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.
Alle Geräusche ducken sich ganz
in die glänzenden Knospen der Reiser.

(Rainer Maria Rilke, Aus einem April, Das Buch der Bilder, 1. Buch, Teil 1, Quelle)

 

Rain | RegensucherinQuelle: Photo by Geetanjal Khanna on Unsplash

 

Regenpoesie

Die Tage lassen keine Spur

O Regen sag, Du kommst so hoch daher,
Ist droben auch der Tag spurlos und leer?

Du fällst zum Fluß und schwimmst zum Meer,
Glaubst, Du enteilst dem Leid und suchst Genuß?

O wüßten alle nur, was doch ein jeder wissen muß:
Die Tage lassen keine Spur, so wenig wie der Regen auf dem Fluß, –
Die Liebe nur.

(Max Dauthendey, Die Tage lassen keine Spur, aus: Weltspuk, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 378/379)

 

Dnjepr | RegensucherinQuelle: Photo by Yurii Khimanin on Unsplash

 

Regenpoesie

Regen

Der Regen geht als eine alte Frau
mit stiller Trauer durch das Land.
Ihr Haar ist feucht, ihr Mantel grau,
und manchmal hebt sie ihre Hand

und klopft verzagt an Fensterscheiben,
wo die Gardinen heimlich flüstern.
Das Mädchen muß im Hause bleiben
und ist doch grade heut so lebenslüstern!

Da packt der Wind die Alte bei den Haaren,
und ihre Tränen werden wilde Kleckse.
Verwegen läßt sie ihre Röcke fahren
und tanzt gespensterhaft wie eine Hexe!

(Wolfgang Borchert, Regen, aus: Laterne, Nacht und Sterne. Gedichte um Hamburg, 1946, Online-Quelle)

 

Regenspringen | RegensucherinQuelle: Photo by Zach Reiner on Unsplash

 

Regenpoesie

Im Regen

Unterm Holzdach hocken,
Wenn die Wasser rauschen, wenn die Regenfrauen
Murmelnd wandeln durch die nassen Auen,
Triefend wehen ihre Wasserlocken –
Unterm Holzdach ist es gut zu warten,
Einmal wieder wohl
Pfeift der Goldpirol,
Und die Rosen leuchten heiß im Garten.

Hör die Tropfen fallen, hör die Tropfen hallen,
Rings im Kreise singt das Regenlied,
Abwärts geht die Wasserflut mit Schallen,
Die die Erde saugend niederzieht,
Hier im Regenwebstuhl sitzen wir gefangen,
Nässe steht in Fäden steil und schwer,
Nässe flackert wie der Einschuß quer,
Den die Regenweberschifflein schwangen,
Aber müder wehen schon die Strähnen,
Aber ferner wird schon der Gesang,
Wie ein leises Echo nur zu wähnen
Von des talwärts ziehnden Wassers Gang.

Warten noch und lauschen,
Letzte Tropfen fallen, leise durch die Ruhe
Geht schon wieder Takt der Wanderschuhe,
Und die regenschweren Wipfel rauschen,
Unterm Holzdach warten wir noch gerne,
Dampfend liegt das Tal –
Da, mit einemmal
Leuchtet hoch am Passe blau die Ferne.

(Hans Leifhelm (Wikipedia), Im Regen, aus: Gesänge von der Erde, in: Sämtliche Gedichte, Hrsg. Norbert Langer, Otto Müller Verlag, Salzburg, 1955)

 

Schmetterling | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Regentage

Dunkle Tage, wolkenübersponnen,
Jeder regenschwerer noch und trüber
Ziehen theilnahmslos an mir vorüber
Schweigend, wie verhüllte, blasse Nonnen.

Und das Herz wird enger da und stille
Kaum will sich ein leiser Wunsch noch regen,
Langsam stirbt im steten, steten Regen
Jeder frohbewegte Schaffenswille.

Und des Nachts kann sich kein Bild mehr spinnen
In den sonst so farbenbunten Träumen,
Denn ich horche nur von allen Bäumen
Auf das monotone Regenrinnen …

(Stefan Zweig, Regentage, aus: Silberne Saiten, 1901, Online-Quelle)

 

Tropfen | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Mit großem Dank an Elli, bei der ich dieses wunderbare Gedicht entdeckt und beschlossen habe, die Regensucherin aus ihrem Winterschlaf zu holen …

Nein, auch ich sehe den Regen viel positiver als Stefan Zweig, besonders, nachdem wir diesen fantastischen Sommer hatten, der nur leider viel zu trocken war. Ich freue mich über jede Nacht, in der der Regen an mein Fenster klopft und der Fellträger nicht draußen ist und nass wird (und ich ihn später abtrocknen muss, oder möchtet ihr eine nasse Katze sonstwo haben? Eben.) …