Regenpoesie

Regen in der Dämmerung

Der wandernde Wind auf den Wegen
War angefüllt mit süßem Laut,
Der dämmernde rieselnde Regen
War mit Verlangen feucht betaut.

Das rinnende rauschende Wasser
Berauschte verwirrend die Stimmen
Der Träume, die blasser und blasser
Im schwebenden Nebel verschwimmen.

Der Wind in den wehenden Weiden,
Am Wasser der wandernde Wind
Berauschte die sehnenden Leiden,
Die in der Dämmerung sind.

Der Weg im dämmernden Wehen,
Er führte zu keinem Ziel,
Doch war er gut zu gehen
Im Regen, der rieselnd fiel.

(Hugo von Hofmannsthal, Regen in der Dämmerung, aus: Die Gedichte 1891–1898, Online-Quelle)

 

 

Quelle: Pixabay

 

Regenpoesie

Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen

Viel Wolken halten den Abend umfangen,
Viel dunkle Falten vom Himmel hangen.
Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen,
Und Stille macht Halt, ernst, ohne Bewegen.

Der Abend will sich gern niederlegen,
Die Berge reichen den Rücken hin,
Und jeder Stein will dem Dunkel sich bücken
Dem Abend und seinem geheimen Sinn.

(Max Dauthendey, Ein Regen ist kalt durch den Tag gegangen, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 299/300)

 

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Ende der Miniserie. Schön, dass ihr dabei wart.

 

Regenpoesie

Und Regen fällt zu Regenguß

Ein Regen ernst und würdevoll
Wirft Wasser in den vollen Fluß,
Als ob das Flußbett bersten soll;
Die Welt zu Wasser werden muß.
Und immer neues Wasser läuft,
Und Regen fällt zu Regenguß,
Und Regen sich zu Regen häuft
Wie Sehnsucht, die mit jedem Fuß
Auf neuer Sehnsucht fußen muß.

(Max Dauthendey, Und Regen fällt zu Regenguß, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 262)

 

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Regenpoesie

Und die Sehnsucht, die rasende Schöne

Zu der Musik des Regens, da draußen in der Nacht,
Da haben sich meine Gedanken als Tänzer aufgemacht.
Die Nacht ist der wiegende Boden, drauf gleiten sie kreisend fort,
Und Tänzerin den Gedanken ist manch ein Liebeswort,
Die Regenmusik singt sich Töne auf Dach und Fensterbank,
Und die Sehnsucht, die rasende Schöne, tanzt meine Gedanken krank.

(Max Dauthendey, Und die Sehnsucht, die rasende Schöne, aus: Der weiße Schlaf, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 424)

 

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Regenpoesie

Wolken ohne Flug und Regen

Wolken lähmend draußen stehen,
Wolken durch die Wände gehen;
Heut’ vor Wolken, weltengroßen,
Ist der Himmel nicht zu sehen.
Wolken drücken stumm verdrossen.
Wolken sich zusammenschlossen,
Wolken, die nicht zu bewegen,
Wolken ohne Flug und Regen,
Wolken, die ans Herz grob stoßen.

(Max Dauthendey, Wolken ohne Flug und Regen, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 237)

 

Quelle: Pixabay

 

 

Regenpoesie

Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen

Ein lechzend Gewitter durch den Nachmittag strich
Und krepierend hinter die Berge hinschlich.
Als lagen Drachen im Liebeskampf,
Umbrüllten sich Wolken mit dumpfem Gestampf.
Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen,
Sitzt grell der Tod in ihrem Lachen.
Jetzt atmet das Gras wieder hell und klar;
Kühl steht die Welt an alter Stell’
Und weiß kaum noch, daß sie voll Durstgefühl war.

(Max Dauthendey, Wenn die Wolken sich heiß den Liebeshof machen, aus: Lusamgärtlein, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 262)

 

Quelle: Pixabay

 

Stay tuned! Morgen geht es weiter …  😉

 

Regenpoesie

Der Regen rinnt schon tausend Jahr

Der Regen rinnt schon tausend Jahr,
Die Häuser sind voll Wasserspinnen,
Seekrebse nisten mir im Haar
Und Austern auf des Domes Zinnen.

Der Pfaff hier wurde eine Qualle,
Seepferdchen meine Nachbarin.
Der blonde Seestern streckt mir alle
Fünfhundert Fühler zärtlich hin.

Es ist so dunkel, kalt und feucht.
Das Wasser hat uns schon begraben.
Gib deinen warmen Mund – mich deucht,
Nichts bleibt uns als uns lieb zu haben.

(Klabund, Regen (1. Der Regen rinnt schon tausend Jahr), aus: Die Harfenjule, 1927, Online-Quelle)

 

Seestern | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

 

Regenpoesie

Ein Regentag – mutigerleben.de

Bild und Text mit freundlicher Erlaubnis von Judith von „Mutiger leben“. Und danke an Katharina, die der Meinung war, das sei doch ein Gedicht für die Regensucherin. Stimmt! :-)

www.mutigerleben.de

|Werbung wegen Namensnennung, unbezahlt|

Ein Gedicht zum Gedichte-Dienstag von https://kathakritzelt.com/
https://stachelbeermond.com/
https://wortgeflumselkritzelkram.wordpress.com
https://wkastens.wordpress.com/
https://findevogelblog.wordpress.com/ und die Wortverzauberte
schreiben ebenfalls mit.

Regen
tropft
Spuren
in den Tag

stundenlang
graugestreiftes
Tropf Tropf Tropf

Vögel
zwitschern
unbeirrbar

ein Regenlied

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Wie lautet Dein Regentagsgedicht?

Foto: © Erwin Grundler, Überlingen

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Regenpoesie

Das Paradies ist ein Garten — Stachelbeermond

Das Paradies ist ein Garten.
Der Regen dort ist freundlich.
Verbünde dich mit ihm: Streichle alte Eichen.
Erweiche die Erde.
Sei Wolkentänzerin.
Verwandle dich im Sonnenschein.
Komm wieder.
Das Paradies ist ein Garten.
Der Regen dort ist freundlich.

Der Dienstag dichtet! Katha kritzelt hat diese Aktion ins Leben gerufen: Jeden Dienstag wird ein Gedicht aus eigener Herstellung […]

über Das Paradies ist ein Garten — Stachelbeermond

Bild und Text mit freundlicher Erlaubnis von Frau Stachelbeermond: Sagt selbst, ist das nicht zauberhafte Regenpoesie?

 

Regenpoesie

Des Narren Regenlied

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

Graugespinstig hält ein Nebel
Alles Sein in Haft,
Weher Mut weint in die Weiten,
Krank ist jede Kraft.

Die Prinzessin sitzt im Turme;
Ihre Harfe klingt,
Und ich hör, wie ihre Seele
Müde Sehnsucht singt.

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

(Otto Julius Bierbaum, Des Narren Regenlied, aus: Irrgarten der Liebe, 1901, Online-Quelle)

 

Stadt im Regen | RegensucherinQuelle: Pixabay