Regenpoesie

Regentrude

Okay, okay, okay, es ist eher eine Sommergeschichte. Aber macht das was? Ich finde sie einfach zauberhaft.

Das Bodenlosz-Archiv

Ich sehe sie nur, wenn es regnet, und auch dann nur aus dem Augenwinkel. Ein grünes Regencape schlüpft durch den Spalt der zufallenden Hoftür. Eine Bewegung lässt mich aufblicken, kurz bevor sie um die Ecke verschwindet. Ich höre ein Gluckern, hebe den Kopf und kann eine Momentaufnahme erhaschen. Meist sehe ich nur die Stelle, an der sie eben war. Sie ist eine Erinnerung, die mir entgleitet.

Ich habe meine Nachbarinnen beobachtet, die mit bunten Sonnentops und schief getretenen Flip Flops durch den Hof laufen. Keine von ihnen kann die Regenfrau sein. Es ist nicht nur die Kleidung und die Figur, es ist ihre Präsenz. Die Sonnenfrauen sind klar umrissen. Sie verschwimmen nicht, sie heben sich ab und sind stabil.

Die Regenfrau tritt leise auf. Sie blubbert und plätschert und perlt. Manchmal glaube ich ein Lachen zu hören. Ein Lachen, das bereits vom Regen verschluckt wurde, sobald ich die Ohren spitze…

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Regenpoesie

Die Wasser der Welt

Der Himmel wurde zum wütenden Bach,
Wildwasser stürzt allen Wegen nach.
Der Regenlärm laut die Stunden schilt,
Sturzwasser aus Wolke und Acker quillt.

Doch von unsern Herzschlägen, den raschen,
Kann nie der Regen die Spuren verwaschen,
Und die Stunden, die sich warm zu uns legen,
Können die Wasser der Welt nicht fortbewegen.

(Max Dauthendey, Die Wasser der Welt, aus: Weltspuk, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 392)

 

Regenfenster | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Nein, nein, SO schlimm regnet es nicht – man muss seit Neuestem ja immer fragen, ob die (nicht vorhandene) Klimakatastrophe etwa wieder zulangt.
Es ist kalt und es regnet … sogar der Fellträger verschwindet hinter der Heizung und groovt sich auf die kalte Jahreszeit ein.

 

Regenpoesie

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen

Hörst du, wie draußen im Regen die Wasser sich necken,
Wie die Regengüsse hinfallen in langen, lauten Strecken
Und überlaufen über die Ränder der Wolkenbecken,
Als soll mit Mann und Maus heut Nacht die Erde ersaufen.
Es kann kaum der Regen vor stürzender Eile noch schnaufen;
Die Regengeister füllen mit ihren Wasserleibern die Traufen.

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen,
Aus dem Regen sie sich ein eigenes Liebeslied macht,
So wie ein Verlassener sein einsames Lachen lacht.

(Max Dauthendey, Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen, aus: Lusamgärtlein. Frühlingslieder aus Franken, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 256)

 

Regen in der Nacht | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Es regnet. Schon einen mehr oder weniger großen Teil der Nacht, soweit wie ich das mitbekommen habe, und ungemütlich frisch ist es auch.

Der Einzige, den das nicht die Bohne stört, ist der Herr Fellträger …

Habt einen guten Tag!

Regenpoesie

The Cloud – Percy Bysshe Shelley

I bring fresh showers for the thirsting flowers,
From the seas and the streams;
I bear light shade for the leaves when laid
In their noonday dreams.
From my wings are shaken the dews that waken
The sweet buds every one,
When rocked to rest on their mother’s breast,
As she dances about the sun.
I wield the flail of the lashing hail,
And whiten the green plains under,
And then again I dissolve it in rain,
And laugh as I pass in thunder.

I sift the snow on the mountains below,
And their great pines groan aghast;
And all the night ‘tis my pillow white,
While I sleep in the arms of the blast.
Sublime on the towers of my skiey bowers,
Lightning my pilot sits;
In a cavern under is fettered the thunder,
It struggles and howls at fits;
Over earth and ocean, with gentle motion,
This pilot is guiding me,
Lured by the love of the genii that move
In the depths of the purple sea;
Over the rills, and the crags, and the hills,
Over the lakes and the plains,
Wherever he dream, under mountain or stream,
The Spirit he loves remains;
And I all the while bask in Heaven’s blue smile,
Whilst he is dissolving in rains.

The sanguine Sunrise, with his meteor eyes,
And his burning plumes outspread,
Leaps on the back of my sailing rack,
When the morning star shines dead;
As on the jag of a mountain crag,
Which an earthquake rocks and swings,
An eagle alit one moment may sit
In the light of its golden wings.
And when Sunset may breathe, from the lit sea beneath,
Its ardours of rest and of love,
And the crimson pall of eve may fall
From the depth of Heaven above,
With wings folded I rest, on my aëry nest,
As still as a brooding dove.

That orbed maiden with white fire laden,
Whom mortals call the Moon,
Glides glimmering o’er my fleece-like floor,
By the midnight breezes strewn;
And wherever the beat of her unseen feet,
Which only the angels hear,
May have broken the woof of my tent’s thin roof,
The stars peep behind her and peer;
And I laugh to see them whirl and flee,
Like a swarm of golden bees,
When I widen the rent of my wind-built tent,
Till the calm rivers, lakes, and seas,
Like strips of the sky fallen through me on high,
Are each paved with the moon and these.

I bind the Sun’s throne with a burning zone,
And the Moon’s with a girdle of pearl;
The volcanoes are dim, and the stars reel and swim,
When the whirlwinds my banner unfurl.
From cape to cape, with a bridge-like shape,
Over a torrent sea,
Sunbeam-proof, I hang like a roof,-
The mountains its columns be.
The triumphal arch through which I march
With hurricane, fire, and snow,
When the Powers of the air are chained to my chair,
Is the million-coloured bow;
The sphere-fire above its soft colours wove,
While the moist Earth was laughing below.

I am the daughter of Earth and Water,
And the nursling of the Sky;
I pass through the pores of ocean and shores;
I change, but I cannot die.
For after the rain when with never a stain
The pavilion of Heaven is bare,
And the winds and sunbeams with their convex gleams
Build up the blue dome of air,
I silently laugh at my own cenotaph,
And out of the caverns of rain,
Like a child from the womb, like a ghost from the tomb,
I arise and unbuild it again.

(Percy Bysshe Shelley (1792–1822), The Cloud, Quelle)

 

Wolken über dem Teich | RegensucherinQuelle: ichmeinerselbst

 

Jaaaa. Zugegeben, da kommt man mit Schulenglisch nicht mehr richtig weit. Und ich wäre ja auch gar nicht selbst darauf gekommen, hätte Maren nicht neulich sensationelle Wolkenfotos zu der letzten Strophe dieses Gedichtes gepostet.

Aber da ich einen Regenblog habe … warum eigentlich nicht? Also kommen erst mal eine Handvoll Links. Etwas über Shelley erfahrt ihr bei Wikipedia, wobei ich den Eindruck habe, dass der englische Text besser ist, er ist auf jeden Fall ausführlicher. „The Cloud“ gehört zu seinen größeren Arbeiten, daher gibt es auch dazu separat einen englischsprachigen Wikipedia-Eintrag.

Auf der Suche nach einer deutschen Übersetzung stolpert man ständig über ein Buch von Dirk Steinhöfel („Die Wolke“, übersetzt vom Bruder, Andreas Steinhöfel, Rezension FAZ) und wird dann schließlich im Sonett-Forum (was es nicht alles gibt) fündig: Hier. Sehr interessant und mit Sicherheit hochklassig, aber die Sprache ist auf jeden Fall nicht mein Fall. Okay, Romantik …

Last but not least habe ich nach gesprochenen (englischen) Versionen gesucht, denn ich finde, das muss man sich unbedingt geben. Zuerst habe ich „The Cloud“ (kein YT-Link) als einen großartigen, englisch-trockenen Vortrag des Sprechers Leonard Wilson (der Mann macht auch Hörbücher) für LibriVox (und DAS ist ja mal eine spannende Seite für Leute, die lieber hören als lesen) entdeckt, und danach habe ich zu meiner großen Überraschung eine gesungene!! Version (Bill Douglas) gefunden, die sich echt gut anhört, bisschen spacig vielleicht. Leider nur zwei Strophen, aber ich war dennoch positiv überrascht.

 

 

Enjoy, have fun, es ist genug da  :-)

 

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Regenpoesie

Und durstig kommt die Nacht zu allen

Die Amseln spielen ihre vielen Flöten,
Die schallen lustig in das Abenddunkel.
Sehr große Regentropfen fallen,
Und durstig kommt die Nacht zu allen.
Ich gehe unterm Regen an dem Fluß entlang,
Die Welle singt halblaut noch ihren Wandersang,
Die Wasser leuchten noch mit letzter Helle.
Doch Berge und die Sehnsucht fliegen nie.
Sie liegen drückend stets auf einer Stelle.

(Max Dauthendey, Und durstig kommt die Nacht zu allen, aus: Der weiße Schlaf, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 444)

 

Südafrika | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

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Regenpoesie

Der Regen wandert über den Fluß

Der Regen wandert über den Fluß
Und Wasser durchs Wasser waten muß.
Es ist als schwimmen die Ufer fort,
So triefend stehen die Berge dort.
Und Regen und Fluß durchs Land hingehen
Und können ihr eigenes Ende nicht sehen.
So wanderten Sehnsucht und Blut oft zusammen
Und alle Ufer überschwammen.

(Max Dauthendey, Der Regen wandert über den Fluß, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, Quelle)

 

Wolke Regen Stadt | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

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Regenpoesie

Regen

Die Sonne hat nur kurz das nasse Tal umschlungen,
Die Pappeln rauschen wieder, neckisch spielt der Wind
Des Baches Schwermut hat gar lang allein geklungen,
Der Wind ist pfiffiger als ein vergnügtes Kind.

Die Wolken wollen kommen. Alles wurde rauher,
Die blassen Pappeln rascheln wie bei einem Guß.
Die nassen Weiden faßt ein kalter Schauer,
Gewaltig saust die Luft, beinahe wie ein Fluß.

Nun soll der Regen kommen! Und es gieße wieder!
Der Sturm ist kraftbegabtes Lautgebraus,
Der Regen bringt die Rhythmen heller Silberlieder,
Die Pappeln wissen das und schlottern schon voraus.

Dem nassen Tal entwallen kalte Atlashüllen,
Und auch die Nebelhauche tauchen raschelnd auf.
Der Wind beginnt die Flur mit Wispern zu erfüllen,
Die Pappeln biegen sich, das Grau nimmt seinen Lauf.

(Theodor Däubler, Regen, aus: Das Sternenkind, Quelle)

Ich hatte bei „Irgendwas ist immer“ (wo sich das wesentlich bekanntere „Berauschter Abend“ aufhält) schon mal erzählt, dass ich erfreut feststellte, dass sich das überaus hübsche Insel-Bändchen, aus dem dieses Gedicht stammt, in meinem Gedichteregal befindet. Wirklich ein Schätzchen.

 

Däubler Regen | RegensucherinQuelle: ichmeinerselbst

 

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Regenpoesie

Regen weit und breit

Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.

(Max Dauthendey, Regen weit und breit, aus: Gesammelte Werke, Bd. 2 „Aus fernen Ländern“, S. 588/589, Albert Langen, München 1925)

 

Grundsätzlich habe ich mit diesem Gedicht euch drüben bei mir auf dem anderen Blog schon genug die Augen/Ohren vollgefreut. Da dies aber sozusagen die Mutter meiner Regengedichte ist, darf es hier nicht fehlen. Überhaupt wird es hier vermutlich viel Dauthendey geben, ich lese mich gerade erst ein.

Dauthendey Regengedicht | RegensucherinQuelle: ichmeinerselbst

 

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