Regenpoesie

Die Wasser der Welt

Der Himmel wurde zum wütenden Bach,
Wildwasser stürzt allen Wegen nach.
Der Regenlärm laut die Stunden schilt,
Sturzwasser aus Wolke und Acker quillt.

Doch von unsern Herzschlägen, den raschen,
Kann nie der Regen die Spuren verwaschen,
Und die Stunden, die sich warm zu uns legen,
Können die Wasser der Welt nicht fortbewegen.

(Max Dauthendey, Die Wasser der Welt, aus: Weltspuk, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 392)

 

Regenfenster | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Nein, nein, SO schlimm regnet es nicht – man muss seit Neuestem ja immer fragen, ob die (nicht vorhandene) Klimakatastrophe etwa wieder zulangt.
Es ist kalt und es regnet … sogar der Fellträger verschwindet hinter der Heizung und groovt sich auf die kalte Jahreszeit ein.

 

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Regenpoesie

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen

Hörst du, wie draußen im Regen die Wasser sich necken,
Wie die Regengüsse hinfallen in langen, lauten Strecken
Und überlaufen über die Ränder der Wolkenbecken,
Als soll mit Mann und Maus heut Nacht die Erde ersaufen.
Es kann kaum der Regen vor stürzender Eile noch schnaufen;
Die Regengeister füllen mit ihren Wasserleibern die Traufen.

Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen,
Aus dem Regen sie sich ein eigenes Liebeslied macht,
So wie ein Verlassener sein einsames Lachen lacht.

(Max Dauthendey, Die Nacht will sich in laute Wasser einhüllen, aus: Lusamgärtlein. Frühlingslieder aus Franken, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 256)

 

Regen in der Nacht | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

Es regnet. Schon einen mehr oder weniger großen Teil der Nacht, soweit wie ich das mitbekommen habe, und ungemütlich frisch ist es auch.

Der Einzige, den das nicht die Bohne stört, ist der Herr Fellträger …

Habt einen guten Tag!

Regenpoesie

Und durstig kommt die Nacht zu allen

Die Amseln spielen ihre vielen Flöten,
Die schallen lustig in das Abenddunkel.
Sehr große Regentropfen fallen,
Und durstig kommt die Nacht zu allen.
Ich gehe unterm Regen an dem Fluß entlang,
Die Welle singt halblaut noch ihren Wandersang,
Die Wasser leuchten noch mit letzter Helle.
Doch Berge und die Sehnsucht fliegen nie.
Sie liegen drückend stets auf einer Stelle.

(Max Dauthendey, Und durstig kommt die Nacht zu allen, aus: Der weiße Schlaf, in: Gesammelte Gedichte und kleinere Versdichtungen, Albert Langen, München 1930, S. 444)

 

Südafrika | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

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Regenpoesie

Der Regen wandert über den Fluß

Der Regen wandert über den Fluß
Und Wasser durchs Wasser waten muß.
Es ist als schwimmen die Ufer fort,
So triefend stehen die Berge dort.
Und Regen und Fluß durchs Land hingehen
Und können ihr eigenes Ende nicht sehen.
So wanderten Sehnsucht und Blut oft zusammen
Und alle Ufer überschwammen.

(Max Dauthendey, Der Regen wandert über den Fluß, aus: Insichversunkene Lieder im Laub, Quelle)

 

Wolke Regen Stadt | RegensucherinQuelle: Pixabay

 

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Regenpoesie

Regen weit und breit

Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.

(Max Dauthendey, Regen weit und breit, aus: Gesammelte Werke, Bd. 2 „Aus fernen Ländern“, S. 588/589, Albert Langen, München 1925)

 

Grundsätzlich habe ich mit diesem Gedicht euch drüben bei mir auf dem anderen Blog schon genug die Augen/Ohren vollgefreut. Da dies aber sozusagen die Mutter meiner Regengedichte ist, darf es hier nicht fehlen. Überhaupt wird es hier vermutlich viel Dauthendey geben, ich lese mich gerade erst ein.

Dauthendey Regengedicht | RegensucherinQuelle: ichmeinerselbst

 

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